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Norwegen im Juli 2021

„Wieder einmal zog es uns nach Norwegen – ein Klassiker, der für mich auch nach über 35 Jahren Camping-Erfahrung nichts von seinem Reiz verloren hat. Dieses Mal begleiteten uns Annika und Flo, für die sowohl das Reisen im Wohnmobil als auch der Norden komplettes Neuland waren. Als ‚alter Hase‘ übernahm ich natürlich liebend gerne die Rolle des Scouts und plante die Route grob vor.

Die Ungewissheit wegen der Pandemie begleitete uns bis kurz vor knapp, weshalb wir unsere Reisezeit ungewöhnlich spät in den Juli legten. Wir bangten mit Annika und Flo, die ihr Mietmobil bereits gebucht hatten, doch das Glück war auf unserer Seite: Ende Juni kam die erlösende Nachricht über die Grenzöffnung. Um dem ersten Ansturm am 5. Juli zu entgehen, ließen wir es entspannt angehen: Start am 2. Juli, ein Zwischenstopp in Schweden und schließlich am 6. Juli die Einreise in unser geliebtes Norwegen.

Freitag, der 2. Juni

Wir holen am Vormittag bei der Wohnmobilvermietung das Wohnmobil „Weinberg Pepper Edition“ ab. Ich als erfahrener Wohnmobilfahrer bin natürlich dabei. Mein Schwiegervater, der selbst einen Pepper fährt, bringt uns zur Wohnmobilvermietung. So kann ich heimwärts als Beifahrer Flo evtl. bei der ersten Fahrt mit einem Wohnmobil einige Tipps geben.
An dieser Stelle ein großes Lob an den Mitarbeiter der Firma Wohnmobile Frankenjura welcher bei der Wohnmobilübergabe alles sehr genau erklärt hat, obwohl er wusste, dass ein erfahrener Wohnmobilfahrer dabei ist, der noch dazu das Fahrzeug sehr gut kennt.
Das ist nicht selbstverständlich. ich bin schon bei Übergaben dabei gewesen, bei denen der Mitarbeiter meinte, wenn jemand dabei sei, der sich auskenne, dann benötige er ja nichts weiter zu erklären.

Fachkundige Inspektion


„Zusammengefasst: Ein Start nach Maß! Gegen 10:30 Uhr trafen wir in Tennenlohe bei Annika und Flo ein. Nach einem schnellen Kaffee ging es direkt ans Werk: Wer schon einmal drei Wochen in einer ‚mobilen Ferienwohnung‘ verbracht hat, weiß, wie viel Kleidung, Proviant und Ausrüstung da zusammenkommt. Während ich beim Schleppen half und den ein oder anderen Tipp zum cleveren Beladen gab, verstauten die beiden fleißig ihr Hab und Gut.

Pünktlich um 16:00 Uhr rollten wir schließlich los. Die Fahrt verlief gänzlich reibungslos und ohne Stau. Besonders beeindruckt hat mich Flo, der das ungewohnte Fahrzeug von der ersten Minute an souverän im Griff hatte. So erreichten wir wie geplant vor 20:00 Uhr Hann. Münden. Der Stellplatz war zwar ungewohnt voll – ein krasser Kontrast zur Nebensaison, die wir sonst gewohnt sind –, aber das trübte die Stimmung nicht. Nach einem kleinen Abendessen und einem Verdauungsspaziergang ließen wir den Tag gemeinsam ausklingen. Alles lief wie am Schnürchen, und die Vorfreude auf das nächste Ziel war riesig.“

Samstag, der 03.07.2021

„Unser heutiges Etappenziel hieß Korsør in Dänemark – ein Stellplatz, den wir auf unseren Nordland-Touren immer wieder gerne ansteuern. Er ist zwar kein Schnäppchen, besticht aber durch den fantastischen Blick auf die imposante Storebælt-Brücke. Für etwa 20 € pro Tag erhält man am Automaten ein Ticket inklusive Ver- und Entsorgung sowie Strom; wer Sanitäranlagen nutzen möchte, bekommt für rund 8 € Aufpreis die volle Hafenkarte. (Position: 55°19’34.0″N 11°07’52.8″E)

Die 657 Kilometer hatten es heute allerdings in sich. Statt der geschätzten acht Stunden waren wir inklusive Pausen stolze 12,5 Stunden unterwegs. Vor allem zwischen Hann. Münden und Hamburg kosteten uns immer wiederkehrende Staus ordentlich Zeit. Irgendwann sagten wir uns: ‚Jetzt ist es auch egal!‘ – und legten spontan einen Stopp im Scandinavian Park in Flensburg ein. Der Bummel durch den Markt war für alle eine willkommene Abwechslung, und wie immer wanderte das ein oder andere ‚Brauchbare oder Trinkbare‘ in den Einkaufskorb. 😉

Hinter der Grenze entspannte sich die Verkehrslage zum Glück deutlich. Nach der Überquerung der fast 20 Kilometer langen Storebælt-Brücke erreichten wir gegen 21:30 Uhr den malerischen Jachthafen von Korsør. Den Abend ließen wir bei milden Temperaturen vor dem Wohnmobil ausklingen, genossen die Ruhe und den Blick auf die beleuchtete Brücke in der Ferne.“


Sonntag, der 04.07.2021

Gemini hat gesagt

Heute sind wir von unserem Stellplatz in Korsør bis zu unserem Ziel, dem Tanum Camping in Schweden, gereist. Bei der Ankunft folgte jedoch die Ernüchterung: Die Schranke des Campingplatzes war bereits geschlossen. Ein Hinweisschild mit einer Telefonnummer wies darauf hin, dass eine vorherige Anmeldung erforderlich sei. Da unsere wiederholten Anrufversuche jedoch unbeantwortet blieben, haben wir kurzerhand umgeplant und schließlich ein schönes Plätzchen direkt am Wikinger-Museum gefunden.

Stellplatz am Wikingermuseum

Nach unserer Ankunft um 19:00 Uhr und einem ersten Spaziergang zum Wikingerdorf ließen wir den Abend bei milden Temperaturen gemütlich vor dem Wohnmobil ausklingen. Da für Montag lediglich eine kleine Wanderung zu den Felsritzungen sowie der Besuch des Museums auf dem Plan stehen, konnten wir entspannt ausschlafen.

Unsere Entscheidung, den Montag noch in Schweden zu verbringen, hat einen strategischen Hintergrund: Norwegen öffnet aufgrund der Corona-Lage erst am Montag, den 05.07.2021, offiziell die Grenzen. Um den erwarteten Stau am ersten Öffnungstag zu umgehen, haben wir uns dazu entschlossen, die Einreise erst am Dienstag anzutreten.


Montag, 05. Juli 2021

Nach einer sehr ruhigen Nacht auf dem Parkplatz am Wikingermuseum starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag. Unser Weg führte uns zunächst in das rekonstruierte Wikingerdorf und das dazugehörige Vitlycke Museum. Im Anschluss besuchten wir die beeindruckenden Felsritzungen von Tanumshede – ein faszinierendes Weltkulturerbe, das sogar auf dem schwedischen 50-Kronen-Schein verewigt ist.


Dienstag, der 6. Juli
Endlich ist es soweit: Heute steht der lang ersehnte Grenzübergang nach Norwegen an. Was unter normalen Umständen kaum einer Erwähnung wert wäre, fühlt sich nach der monatelangen Ungewissheit wegen der Covid-19-Pandemie fast wie ein Wunder an. Da Norwegen seine Pforten für Touristen erst am gestrigen 05.07.2021 wieder geöffnet hat, schätzen wir uns glücklich, genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Nach einem frühen Frühstück brechen wir um 9 Uhr auf. Die kurze Strecke von 48 Kilometern bis zur Grenze vergeht wie im Flug, doch die Anspannung im Wohnmobil ist spürbar: Während wir geimpft sind, reisen Annika und Flo ohne Impfschutz – eine Unsicherheit, die uns alle nervös macht. Um 10 Uhr erreichen wir die Grenzstation. Unser digitaler Impfausweis wird problemlos akzeptiert, doch für Annika und Flo heißt es erst einmal: Warten auf den Schnelltest. Einige Kilometer hinter der Grenze halten wir an und bangen mit ihnen, immer in der Hoffnung, dass kein falsch-positives Ergebnis die Reisepläne durchkreuzt. Nach einer bangen Stunde die Erlösung: Alles ist gut gegangen! Gemeinsam setzen wir unsere lang geplante Tour fort.


Highlights der ersten Etappe in Norwegen

Unser erstes Highlight ist die Fahrt durch den beeindruckenden Oslofjordtunnel, gefolgt von einem Besuch der Spiralen in Drammen. Nachdem wir oben die fantastische Aussicht genossen haben, lassen wir uns treiben.

Natur pur: Zum Abschluss des Tages bewundern wir noch einen kleinen, malerischen Wasserfall an der Strecke.

Der Weg ist das Ziel: Zwar liegt eine grobe Routenplanung vor, doch wo wir den Tag beenden, bleibt offen – zu viele Entdeckungen warten am Wegesrand.

Richtung Numedal: Auf dem Weg dorthin erledigen wir Einkäufe und tanken auf. Auffällig ist, dass Corona-Masken hier – genau wie in Schweden – eine Seltenheit sind; im Supermarkt waren wir fast die Einzigen, die eine trugen.

Wasserfall neben Einkaufcenter

Gemini hat gesagt

Unsere Fahrt führt uns weiter durch das idyllische Numedal. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir einen kleinen Campingplatz direkt an der Straße. Da hier kaum Verkehr herrscht, stört uns die Lage nicht – im Gegenteil: Die Gastfreundschaft ist spürbar. Vom Betreiber erfahren wir fast schon mit einer Spur Ehrfurcht, dass wir die ersten deutschen Gäste seit 18 Monaten sind. Ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Pandemie das Reisen hier zum Erliegen gebracht hatte.

Da leichter Regen einsetzt, verlagern wir das Abendprogramm ins gemütliche Wohnmobil. Jeder nutzt die Zeit für sich – sei es zum Schlafen, Duschen oder Musikhören. Es ist einer dieser entspannten Abende, an denen man die Freiheit des mobilen Reisens so richtig genießt.


Dienstag, 6. Juli 2021

Am nächsten Morgen begrüßt uns das Wetter deutlich freundlicher. Die Wolken haben sich verzogen, und die frische Luft nach dem Regen verspricht einen idealen Tag für die Weiterreise durch das „Tal der Stabkirchen“.

Pünktlich um 11:00 Uhr setzen wir unsere Reise fort. Schon nach einer kurzen Fahrt von etwa 30 Minuten erreichen wir unser erstes Tagesziel: die beeindruckende Stabkirche in Nore.

Diese Kirche ist ein wunderbarer Auftakt für unsere Tour durch das Numedal. Als sogenannte „Mittelsäulenstabkirche“ aus dem 12. Jahrhundert fasziniert sie nicht nur durch ihre Architektur, sondern auch durch die kunstvollen Malereien im Innenraum, die aus verschiedenen Epochen stammen. Es ist ein besonderes Privileg, diese historischen Schätze nun wieder ohne die Einschränkungen der vergangenen Monate besichtigen zu können.

Stabkirche Nore

Gemini hat gesagt

Norwegen beheimatet heute noch 28 dieser hölzernen Meisterwerke, und wir haben uns fest vorgenommen, einige davon genauer unter die Lupe zu nehmen – mal ehrfürchtig von außen, mal bei einer Besichtigung der Innenräume.

In Nore empfängt uns eine freundliche Dame an der Kasse, die uns mit viel Herzblut und Fachwissen in die Geheimnisse der Stabkirche einweiht. Nach diesen spannenden Erklärungen nehmen wir uns die Zeit, das Bauwerk auch von außen noch einmal „fachmännisch“ zu begutachten, bevor wir unsere Fahrt durch das malerische Numedal fortsetzen.


Nächster Halt: Uvdal und das Freilichtmuseum

Unser Weg führt uns weiter zur Stabkirche von Uvdal. Hier erwartet uns nicht nur die Kirche selbst, sondern auch das angrenzende Freilichtmuseum, das einen faszinierenden Einblick in das ländliche Leben vergangener Jahrhunderte bietet.

Freilichtmuseum: Die alten Blockhäuser und Speicher (Stabbur) auf dem Gelände ergänzen das historische Bild perfekt und laden zu einem kleinen Rundgang ein.

Besonderheit in Uvdal: Die Kirche besticht im Inneren durch ihre prächtigen Malereien im Rosenmaling-Stil, die fast jeden Zentimeter des Holzes bedecken.

Gemini hat gesagt

Die Anlage in Uvdal hat uns vollauf begeistert: Fast alle Gebäude des Freilichtmuseums sind auch von innen zugänglich, sodass die Zeit wie im Flug verging. Über zwei kurzweilige Stunden verbrachten wir dort, bevor wir unsere Reise fortsetzten.

Von Geilo aus bogen wir auf die Straße 7 ab und erreichten die Hardangervidda. Die Fahrt über dieses riesige Hochplateau ist ein außergewöhnliches Erlebnis, das uns alle vier tief beeindruckt hat. Wir waren uns schnell einig: Diese Landschaft ist absolut fantastisch!

Weiter geht unsere Fahrt, bis wir auf einem Campingplatz am Eidfjord landen.

Kaum angekommen, werden auch schon die Sitzmöbel aufgestellt und der Grill angezündet. In geselliger Runde genießen wir unser Abendessen und lassen den Tag Revue passieren, während wir noch lange gemeinsam vor den Wohnmobilen zusammensitzen. Ein ereignisreicher Tag mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen geht zu Ende, und die Vorfreude auf das, was uns morgen erwartet, ist bereits riesig.

Donnerstag der 8. Juli

Heute ist unser Ziel der Campingplatz in Flåm. Es geht um 11 Uhr los, wir fahren eine wunderschöne Strecke am Eidfjord entlang.

Ein absolut faszinierendes Erlebnis! Wir sind im Vallaviktunnel.

Dieser Tunnel ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst und hält eine ganz besondere Überraschung bereit: den blau beleuchteten Kreisverkehr tief im Berg. Das blaue Licht ist nicht nur dekorativ, sondern dient auch dazu, die Aufmerksamkeit der Fahrer in dem langen Tunnel (er ist über 7,5 Kilometer lang!) hochzuhalten und für Abwechslung zu sorgen.

Besonders spektakulär ist die direkte Anbindung: Wenn ihr eine der Ausfahrten im Kreisverkehr nehmt, führt euch der Weg oft unmittelbar auf die beeindruckende Hardangerbrücke – eine der weltweit längsten Hängebrücken. Der Kontrast zwischen der kühlen, blauen Atmosphäre im Tunnel und dem plötzlichen, weiten Blick über den Hardangerfjord beim Verlassen des Portals ist unvergesslich.

Klick auf das Foto öffnet ein Youtube Video.

Direkt im Anschluss an den Tunnel überquerten wir nahtlos den Fjord über die beeindruckende Hardangerbrücke, immerhin die neuntgrößte Hängebrücke der Welt. Ein kurzer Moment der Orientierung folgte danach, als uns das Navigationsgerät aus unerklärlichen Gründen nicht auf die E13, sondern auf die Nebenstraße 572 leitete.

Diese Route entpuppte sich zwar als landschaftlich absolut traumhaft, forderte Flo fahrtechnisch jedoch alles ab. Auch der darauffolgende Abschnitt in Richtung Steinsdalsfossen blieb anspruchsvoll: extrem eng, kurvenreich und schwer zu befahren. Während ich als „alter Hase“ solche Strecken gewohnt bin, musste Flo über die gesamte Zeit hochkonzentriert bleiben. Am Ende des Tages erntete er dafür das verdiente Lob von uns allen: Er hat die „hohe Schule des Wohnmobilfahrens“ heute mit Bravour bestanden.

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir schließlich den Steinsdalsfossen. Tine und ich waren allerdings ein wenig enttäuscht, da der Wasserfall bei Weitem nicht so imposant wirkte wie bei unserem letzten Besuch – die Natur zeigt sich eben jedes Mal von einer anderen Seite.

Die Dynamik der norwegischen Wasserfälle ist stark saisonabhängig. Nach der massiven Schneeschmelze im Mai und Juni zeigen sie sich in ihrer vollen Pracht, während sie im Hochsommer oft etwas zahmer wirken. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, den Steinsdalsfossen zu erklimmen. Es ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis, trockenen Fußes hinter der tosenden Wasserwand entlangzugehen. Nach einer ausgiebigen Fotosession und einem kleinen Bummel durch die angrenzenden Souvenirläden setzten wir unsere Reise fort.

Bevor wir die entspannteren Hauptstraßen E13 und E16 erreichten, hieß es jedoch erst einmal: Zurück auf Anfang. Rund 40 Kilometer auf der engen, kurvenreichen Strecke verlangten uns – und besonders Flo – noch einmal volle Konzentration ab. Mit regelmäßigen Pausen, um die Aussicht zu genießen, erreichten wir schließlich gegen 19:00 Uhr unseren Campingplatz. Nach einer erfrischenden Dusche und einem kleinen Abendessen siegte die Geselligkeit über die Müdigkeit: Wir saßen noch lange vor den Wohnmobilen zusammen, ließen die Erlebnisse Revue passieren und genossen das gute Gefühl, dass alles so reibungslos klappt.

Weiter zu Norwegen 2021, Freitag der 9. Juli

Nach einem ausgiebigen, gemütlichen Frühstück machten wir uns gegen 14 Uhr auf den Weg zur nahegelegenen Flåmsbana. Tine und ich hatten diese Bahnfahrt bereits vor zwei Jahren unternommen. Unser damaliger Eindruck war jedoch, dass der Preis im Vergleich zum Gebotenen etwas zu hoch angesetzt ist. Dennoch hätten wir uns Annika und Flo zuliebe natürlich angeschlossen, falls die beiden die Fahrt hätten machen wollen.

Die Strecke führt durch insgesamt 20 Tunnel und bietet die Besonderheit, dass der Zug gelegentlich direkt im Tunnel stoppt. Durch spezielle Lichtfenster in den Felswänden erhält man so spektakuläre Ausblicke auf die vorbeiziehende Landschaft.

Als wir jedoch vor Ort die langen Warteschlangen sahen und feststellten, dass das Ticket pro Person umgerechnet ca. 65 € kostet, entschieden sich Annika und Flo gegen die Fahrt. Stattdessen nutzten wir die Zeit für einen gemeinsamen Bummel durch die umliegenden Geschäfte – und das mit großem Erfolg.

 Flåm Einkaufsmeile

Nach unserer ausgiebigen Shoppingtour kehrten wir zu den Wohnmobilen zurück. Eigentlich war der Plan, nach einer kurzen Kaffeepause gemeinsam zum nahegelegenen Wasserfall Brekkefossen zu wandern. Doch der Einkaufsbummel hatte seine Spuren hinterlassen: Unsere besseren Hälften waren sichtlich geschafft und verzichteten lieber auf den Aufstieg, um sich ein wenig auszuruhen.

So machten Flo und ich uns schließlich zu zweit auf den Weg. Laut Wegweiser lagen lediglich 1,5 Kilometer vor uns – ein Klacks, dachten wir. Während wir uns angeregt unterhielten, passierten wir bereits nach wenigen Minuten das nächste Schild, das nur noch 500 Meter bis zum Ziel ankündigte. Gut gelaunt verließen wir die befestigte Straße und bogen ins Gelände ein.

Ab hier wurde es jedoch sportlich: Zunächst ging es einige hundert Meter steil bergauf, gefolgt von schätzungsweise 300 Treppenstufen, die uns alles abverlangten. Da es zudem leicht zu regnen begann, waren wir bald sowohl vom Schweiß als auch vom feinen Nieselregen vollkommen durchnässt.

Doch die Mühe hat sich gelohnt: Oben angekommen, wurden wir mit einem fantastischen Panorama und dem beeindruckenden Anblick des Wasserfalls belohnt. In diesem Moment waren alle Strapazen des Aufstiegs sofort vergessen.


Sicht auf Flåm und Umgebung
Brekkefossen

Wir blicken voller Freude auf die Tour zurück und sind rückblickend froh, dass Annika und Tine auf die Wanderung verzichtet haben; die Anstrengung wäre für die beiden vermutlich zu groß gewesen. Nach einer kurzen Rast traten wir voller Begeisterung den Rückweg an. Zurück bei den Wohnmobilen genossen wir erst einmal eine erfrischende Dusche, bevor wir den Grill anfeuerten. In geselliger Runde ließen wir den Tag Revue passieren und tauschten noch bis spät in die Nacht lebhaft unsere Eindrücke aus, bevor wir schließlich müde, aber glücklich in die Betten sanken.

Samstag der 10. Juli

Abenteuer auf dem „Schneeweg“

Eigentlich war unser Plan für heute simpel: Durch den Lærdalstunnel und dann direkt weiter Richtung Geiranger. Doch die norwegische Bergwelt hatte andere Pläne für uns.

Gegen 11 Uhr machten wir uns auf den Weg, entschieden uns jedoch für einen spontanen Abstecher zum Aussichtspunkt Stegastein. Statt der Tunnelröhre wählten wir den Bjørgavegen – besser bekannt als der legendäre „Schneeweg“ – und landeten prompt in einem echten Abenteuer.

Obwohl ich nach 30 Jahren Norwegen-Erfahrung eigentlich abgehärtet bin und mich so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringt, muss ich gestehen: Solche Strecken sind auch für mich eine Seltenheit. Für Annika und Flo entwickelte sich die extrem kurvige, schmale und steile Route zu einer handfesten Herausforderung.

Oben angekommen, mussten die beiden erst einmal tief durchatmen. An dieser Stelle gebührt Flo ein riesiges Lob:

Mit dieser Fahrt hat er die „Meisterprüfung“ am Steuer des Wohnmobils mit Bravour bestanden.

Man kann wohl mit Sicherheit sagen: Gegen diese Strecke wird alles, was uns auf dieser Reise noch erwartet, ein reiner Kindergeburtstag sein.

Strecke Bjørgavegen

Nachdem sich die Aufregung gelegt und der Puls wieder normalisiert hat, lassen wir den Blick schweifen und halten diesen Moment in einigen Fotos fest. Da meine Mitreisenden die herausfordernde Strecke verständlicherweise kein zweites Mal in entgegengesetzter Richtung bewältigen möchten, entscheiden wir uns gegen den Lærdalstunnel und setzen unsere Reise auf der aktuellen Route fort.

Wir folgen dem Straßenverlauf bis zur E16 und biegen kurz vor Fagernes auf die Straße 51 ab. Die Route führt uns am Rande des beeindruckenden Jotunheimen-Nationalparks entlang und lässt uns aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Die Landschaft ist von einer solch außergewöhnlichen Schönheit, dass wir immer wieder anhalten, um Fotos zu machen oder einfach nur die stille Erhabenheit der Natur zu genießen.

Gegen 20 Uhr suchen wir uns inmitten dieser Kulisse einen Platz zwischen anderen Wohnmobilen für die Nacht. Obwohl uns die Müdigkeit längst in den Knochen steckt, sitzen wir noch lange zusammen. Zu tief sitzen die Erlebnisse des Tages – diese gewaltigen Eindrücke müssen erst einmal in Ruhe verarbeitet werden.

Sonntag, der 11.07.2021

Nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht auf unserem Stellplatz setzen wir unsere Reise fort. Die Fahrt führt uns heute über das Valdresflye, eine beeindruckende Hochebene in Norwegen. Schon nach wenigen Kilometern legen wir den ersten Zwischenstopp ein: Eine tosende Stromschnelle direkt am Wegesrand bietet das perfekte Motiv für unsere Fotos.

Nach etwa 20 Kilometern verlassen wir die 51 und folgen der E15. Ein kurzer Zwischenstopp führt uns zur Stabkirche von Lom, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen, bis uns ein kleiner Kiosk an einem Parkplatz zur Rast einlädt. Dort lassen wir uns einen Elchburger schmecken. Die restliche Etappe auf der traumhaft schönen Straße 63 genießen wir in vollen Zügen; wir halten immer wieder inne, um uns die Beine zu vertreten und die beeindruckende Landschaft mit der Kamera festzuhalten.

Begleitet vom Rauschen zahlreicher Wasserfälle erreichten wir gegen 16 Uhr den Campingplatz in Geiranger. Tine und ich trauten unseren Augen kaum: Obwohl wir schon oft hier waren, hatten wir den Platz noch nie so belebt gesehen. Vor allem die hohe Zahl an einheimischen Campern fiel auf – offenbar zog es die Norweger aufgrund der Pandemie verstärkt in die eigene Natur. Trotz des Trubels ergatterten wir ein schönes Fleckchen und ließen den Tag gemütlich ausklingen.

Montag, der 12.07.2021

Den heutigen Tag ließen wir ganz entspannt angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und guten Gesprächen machten wir uns gegen 14:30 Uhr auf den Weg. Unser Ziel war das Norsk Feriencenter, das wir über den beeindruckenden, mit vielen Stufen ausgebauten Pfad entlang des Storfossen-Wasserfalls erreichten.

Während das Feriencenter selbst eher zweckmäßig ist, entschädigt der traumhafte Blick auf den Geirangerfjord für alles. Auf dem Rückweg hielten wir immer wieder inne, um das Tosen des Wasserfalls zu genießen, bis wir nach gut zwei Stunden wieder unser Wohnmobil erreichten.

Den Nachmittag ließen wir bei einer Tasse Kaffee und etwas Ruhe ausklingen. Gegen 19 Uhr warfen wir schließlich den Grill an und genossen – wie schon am Vorabend – die gesellige Runde vor den Mobilen bis Mitternacht.

Dienstag, der 13.07.2021

Auch heute ließen wir den Tag ganz entspannt angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück genossen wir die Ruhe vor unseren Wohnmobilen: Annika und Tine vertieften sich in ihre Bücher, Flo hörte Musik und ich nutzte die Zeit, um mein Mobil ein wenig auf Vordermann zu bringen.

Gegen 14 Uhr brachen wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein zu einer Wanderung entlang der Südseite des Geiranger Fjords auf. Wer diesen Ort kennt, weiß, dass der Anblick normalerweise von majestätischen Kreuzfahrtschiffen geprägt ist, die hier vor Anker liegen. In diesem Jahr jedoch ist alles anders – die Pandemie hat die gewohnten Riesen aus dem Fjord verbannt.

Umso erstaunter war ich, als plötzlich doch eine Silhouette auf dem Wasser auftauchte. Wie sich herausstellte, war es kein Kreuzfahrer, sondern ein Postschiff der legendären Hurtigruten, das einsam seine Bahnen zog.

Wir setzten unseren Weg fort, doch als der Pfad steiler wurde und die Mittagshitze spürbar zunahm, entschieden sich Annika und Tine gegen den weiteren Aufstieg. Sie kehrten um, um den restlichen Tag bei den Wohnmobilen zu verbringen. Flo und ich ließen uns jedoch nicht beirren und wanderten noch eine gute Stunde bergauf. Belohnt wurden wir oben mit einer kleinen Pause, bevor auch wir schließlich den Rückweg antraten.

Zurück am Wohnmobil gönnten wir uns erst einmal eine kleine Stärkung. Gegen 18 Uhr zog es uns noch einmal in den Ort, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Mit vollen Taschen machten wir uns schließlich auf den Rückweg zu unserer „fahrenden Villa“, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen und bis spät in die Nacht vor den Campern zusammensaßen.

Mittwoch, den 14.07.2021

Wir verabschieden uns vom Campingplatz am Geirangerfjord. Unser heutiges Ziel: der Campingplatz Lysø naturcamping & rorbuer an der beeindruckenden Atlantikstraße.

Bevor wir um 10:30 Uhr endgültig aufbrechen, steuern wir noch die Versorgungsstation des Platzes an. Frischwasser auffüllen, die Toilette leeren und das Grauwasser entsorgen – diese Routinen gehören zum authentischen Leben im Wohnmobil schlichtweg dazu. Um 11:00 Uhr rollen wir schließlich vom Gelände.

Und weiter geht unsere Fahrt. wir nehmen die RV63 und halten immer wieder mal an, um zu fotografieren. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön.

Wir halten auch an der Gudbrandsjuvet 

und sind gegen 14:30 Uhr am Trollstigen. Als wir am Trollstigen ankommen, kann man kaum 20 Meter weit sehen, so tief ziehen die Wolken vorbei.

Parkplatz Trollstigen im Nebel

Aber schon 30 Minuten, nachdem wir eine Pause gemacht haben, verziehen sich die Wolken und wir haben freie Sicht auf die insgesamt elf Haarnadelkurven.

Nachdem wir alle Eindrücke gesammelt hatten, setzten wir unsere Reise in Richtung der Atlantikstraße fort. Aufgrund zweier Fährüberfahrten beanspruchte die Strecke etwas mehr Zeit als gedacht, sodass wir die Küstenregion erst am späten Abend erreichten.

Die Atlantikstraße, die 1989 fertiggestellt wurde, gilt mit ihren 8.274 Metern als eine der schönsten Autostrecken der Welt und wurde in Norwegen völlig zu Recht zum Bauwerk des Jahrhunderts gekürt. Auch wenn wir die beeindruckende Trasse bereits bei unserer Ankunft überquerten, hoben wir uns eine ausführliche Besichtigung für den Tag der Weiterfahrt auf.

Gegen 20:30 Uhr erreichten wir schließlich den ausgewählten Campingplatz. Nach einem sehr herzlichen Empfang durch den deutschen Betreiber suchten wir uns ein schönes Plätzchen, bereiteten eine Kleinigkeit zu essen zu und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Donnerstag, der 15.07.20201

Heute steht das Ausschlafen an erster Stelle. Nach einem ausgiebigen Frühstück lassen wir uns erst einmal treiben und genießen das süße Nichtstun. Wie am Vormittag geplant, brechen wir gegen 14:30 Uhr zu einer kleinen Wanderung auf.

Es ist faszinierend: Kaum fünf Minuten unterwegs, umfängt uns bereits die absolute Stille der unberührten Natur. Wüssten wir nicht, dass unsere Wohnmobile nur wenige hundert Meter entfernt auf dem Campingplatz stehen, könnte man glatt glauben, die Zivilisation sei meilenweit weg.

Knapp drei Stunden marschieren wir durch teils unwegsames Gelände, das uns jedoch mit traumhaften Ausblicken belohnt. Natürlich ist meine Kamera ständig im Einsatz. Die entstandenen Aufnahmen werde ich nach dem Urlaub in Ruhe sichten und bearbeiten – die besten Ergebnisse präsentiere ich euch dann in voller Pracht auf meiner Webseite fotograf-volker.de.

In der Ferne tauchen gelegentlich die markanten Silhouetten der Atlantikstraße auf. Zurück an den Wohnmobilen lassen wir es uns bei Kaffee, Kuchen oder einem herzhaften Snack gutgehen – ganz nach Belieben. Nach einer wohlverdienten Ruhepause lassen wir den Tag in gemütlicher Runde ausklingen.

Wir fassen den Entschluss, einen weiteren Tag an diesem Ort zu verweilen, und planen gemeinsam die restliche Route. Das Resümee fällt durchweg positiv aus: Bisher läuft alles hervorragend. Und auch wenn Flo auf einigen Abschnitten ordentlich ins Schwitzen kam, konnte ich mir einen kleinen Kommentar nicht verkneifen: „Willkommen in Norwegen!“

Freitag, den 16.07.2021

Auch der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Entschleunigung; die Wohnmobile blieben erneut unbewegt. Im Grunde genommen folgte der Tag dem friedlichen Rhythmus des gestrigen: Wir genossen es, wieder einmal richtig auszuschlafen. Nach dem Frühstück ließen wir die Seele baumeln – mal vertieft in ein Buch, mal mit Musik im Ohr oder einfach beim „süßen Nichtstun“.

Gegen 14:30 Uhr brachen wir, wie schon am Vortag, zu einer kleinen Wanderung auf, auch wenn sich das Wetter eher verhalten präsentierte. Dieses Mal erkundeten wir die Pfade nördlich des Campingplatzes. Als wir die Hügelketten umrundeten, staunten wir nicht schlecht: Verborgen hinter den Anhöhen und vom Platz aus unsichtbar, sind hier etliche moderne Häuser entstanden.

Nach etwa zwei Stunden marschieren setzten die ersten Regentropfen ein, was uns zurück in die gemütliche Geborgenheit unserer mobilen Heime trieb. Den Abend ließen wir schließlich in geselliger Runde ausklingen – immer wieder fasziniert von dem besonderen Umstand, dass es hier oben einfach nicht dunkel werden will.

Samstag, den 17.07.2021

Gegen 11:00 Uhr verabschieden wir uns von dem traumhaft gelegenen Campingplatz an der Atlantikstraße. Unser heutiges Ziel ist der Campingplatz an der Magalaupe. Obwohl es einen direkteren Weg gäbe, entscheiden wir uns bewusst für den zehn Kilometer langen Umweg – schließlich wollen wir die berühmte Atlantikstraße in vollen Zügen genießen. Da es bei unserer Ankunft gestern bereits spät war, haben wir uns dieses Highlight für die heutige Weiterfahrt aufgehoben.

Schon nach etwa 20 Minuten legen wir am ersten Parkplatz den ersten Stopp ein. Während wir die spektakuläre Aussicht genießen, wird uns einmal mehr bewusst: Wenn es um den Bau von Brücken und Tunneln geht, macht den Norwegern so schnell niemand etwas vor. Auch am zweiten großen Parkplatz halten wir an, um die künstlich angelegte Rundstrecke zu erkunden. Von hier aus eröffnen sich uns immer wieder fantastische Fernsichten über das Meer und die Schärenwelt.

Panoramfoto Atlantikstraße

Hier ist eine stilistisch überarbeitete Fassung deines Textes, die den Reisebericht-Charakter unterstreicht und die Atmosphäre der norwegischen Einsamkeit noch etwas lebendiger einfängt:


Unterwegs in der Stille Norwegens

Nach der Besichtigung setzen wir unsere Fahrt fort. Etwa 90 Minuten lang gleiten wir durch die Landschaft, wobei uns kaum zwanzig Autos begegnen – eine fast meditative Stille. Schließlich steuern wir einen einsamen Parkplatz an einer abgelegenen Strecke an. Dank des Backofens in unserem Wohnmobil gibt es heute ein kleines Highlight: Die am Morgen gekaufte Pizza wandert in die Röhre, und kurz darauf genießen wir sie mitten in der unberührten Natur. Es ist schon ein besonderer Luxus, sein eigenes kleines Restaurant immer dabei zu haben.

Skandinavische Effizienz

Frisch gestärkt setzen wir die Reise fort. Kurz vor unserem Ziel machen wir einen Schlenker in ein Industriegebiet, um Gas zu tanken. Es ist immer wieder faszinierend: Selbst an einem Samstag, wenn hier kein Mensch zu sehen ist, findet man gänzlich problemlos eine Gastankstelle und einen Automaten zum Flaschentausch. Die Abwicklung erfolgt – typisch norwegisch – vollautomatisch per Kreditkarte.

Diese bargeldlose Selbstverständlichkeit erinnert mich an ein Erlebnis am Campingplatz der Flåmbahn. Als Flo einfiel, dass er noch eine Duschmarke benötigte, war er unsicher, ob er die Kleinigkeit mit Karte zahlen könne. Die Reaktion der Dame an der Rezeption sprach Bände: Auf seine Frage nach der Kartenzahlung blickte sie ihn beinahe entgeistert an – als wollte sie sagen: „Natürlich, womit denn sonst?“

Ankunft und Ausklang

Nach dem Tankstopp trennen uns nur noch wenige Kilometer von unserem Campingplatz. Kaum angekommen, ist die Routine eingespielt: Einchecken, Einparken, Tisch und Stühle aus der Heckgarage holen. Trotz des kräftigen Windes sitzen wir wenig später gemütlich vor den Mobilen. Den Tag lassen wir später beim Grillen entspannt ausklingen, während die weite Landschaft um uns herum langsam zur Ruhe kommt.

Sonntag, den 18.07.2021

Heute steht wieder ein Ruhetag auf dem Programm – jene kostbaren Tage, an denen die Wohnmobile stehen bleiben. Wir lassen die Seele baumeln, schlafen gemütlich aus und genießen ein ausgiebiges Frühstück in aller Ruhe.

Am Nachmittag lockt uns die Natur nach draußen. Unser Ziel ist die nahegelegene Schlucht Mågålaupet. Wir brechen auf und werfen zunächst einen Blick auf den Fluss unterhalb der Brücke, die zum Campingplatz führt. Dabei fällt Tine und mir sofort auf: Die Driva führt deutlich weniger Wasser, als wir es von unseren früheren Besuchen kennen – ein typisches Bild für diese Jahreszeit.

Spektakuläre Felsformationen

Am Parkplatz zur Schlucht angekommen, mahnen uns Warnschilder zur Vorsicht. Das Klettern auf den glatten Felsen ist nicht ganz ohne, und jeder Tritt will gut überlegt sein. Schon nach wenigen Metern öffnet sich der Boden und gibt den Blick auf die erste markante Spalte frei. Auch hier zeigt sich der niedrige Wasserstand des Julis, was dem Anblick jedoch keinen Abbruch tut: Die Szenerie bleibt absolut spektakulär.

Kraxeln mit Aussicht

Wir lassen uns treiben und klettern über die Felsen, da sich nach fast jeder Biegung eine völlig neue Perspektive auf die Schlucht eröffnet. Gut zwei Stunden verbringen wir mit dieser kleinen „Kraxelei“ zwischen den Steinen, bevor wir über die Straße den Rückweg zu unseren Stellplätzen antreten.


Den Abend lassen wir standesgemäß ausklingen: Der Grill wird angeworfen, und wir sitzen noch lange in geselliger Runde zusammen.

Montag, den 19.07.2021

Eigentlich war unser Ziel für heute gesetzt: Wir wollten das Freilichtmuseum Maihaugen in Lillehammer besuchen, das zu den bedeutendsten Museen Norwegens zählt. Doch wie so oft kam es erstens anders und zweitens als man denkt.

Aber der Reihe nach: Gegen 11 Uhr machten wir uns wie gewohnt auf den Weg. Zunächst führte uns die Route durch die beeindruckende Bergwelt des Dovrefjell-Nationalparks, gefolgt von der malerischen Kulisse des Ottadals und des oberen Gudbrandsdals. Bereits kurz nach 13 Uhr erreichten wir die Stabkirche von Ringebu, der wir einen Besuch von außen abstatteten.

Nach einer erholsamen Mittagspause setzen wir unsere Reise in Richtung Lillehammer fort. Dabei fällt uns auf – wie schon in den vergangenen Tagen –, dass ungewöhnlich viele Touristen unterwegs sind, primär Einheimische. In Gesprächen erfahren wir den Grund: Aufgrund der Corona-Bestimmungen und der drohenden Quarantäne bei Auslandsreisen verbringen die meisten Norweger ihren Urlaub im eigenen Land. Für Tine und mich ist dieser Massentourismus ein völlig neues Bild, da wir Norwegen bisher nur aus der ruhigen Nebensaison kennen.

Als wir gegen 15 Uhr den Campingplatz erreichen, folgt die Ernüchterung: Es sind nur noch Stellplätze für kleine Fahrzeuge verfügbar. Damit fällt unser für Mittwoch geplanter Museumsbesuch buchstäblich ins Wasser. Nach einer kurzen Beratung entscheiden wir, die Suche in der Region zwischen Lillehammer und Oslo abzubrechen, da sämtliche Plätze bereits im Vorbeifahren voll belegt wirkten.

Da wir uns jedoch fit und ausgeruht fühlen, beschließen wir, die Fahrt bis zum Campingplatz Tanum Camping fortzusetzen. Dort waren wir bereits auf dem Hinweg und sind zuversichtlich, eine Bleibe zu finden. Zudem bietet uns die gewonnene Zeit – bedingt durch den ausgefallenen Aufenthalt in Lillehammer – die Chance, vor der Heimreise noch einen Tag zu entspannen.

Bei unserer Ankunft dann die Überraschung: Der Platz hat seine Tore nach wie vor nicht geöffnet. So schließt sich der Kreis, und wir verbringen die Nacht erneut auf dem Parkplatz des Wikingermuseums.

Parkplatz am Wikingermuseum

Dienstag, den 20.07.2021

Nach einer ausgesprochen erholsamen Nacht setzen wir unsere Reise gut gelaunt fort. Da der Stellplatz fernab der Autobahn liegt und die angrenzende Straße nachts kaum befahren ist, genossen wir eine absolute Stille.

Nach einem gemütlichen Frühstück führt uns der erste Weg noch kurz zum örtlichen Einkaufszentrum, um unsere Vorräte aufzustocken, bevor wir wieder Fahrt aufnehmen.

Unsere Reise geht weiter mit dem Ziel, den Wohnmobilstellplatz am Yachthafen von Korsør (Lystbadehavn) zu erreichen. Dank des zügigen Vorankommens und einer entspannten Mittagspause erreichen wir gegen 17:00 Uhr die Öresundbrücke.

Mit der Überquerung der Grenze, die exakt auf der Brücke verläuft, lassen wir Schweden hinter uns und erreichen dänischen Boden. Um 18:30 Uhr kommen wir schließlich am Stellplatz an und haben Glück: Wir ergattern einen der letzten freien Plätze.

Nach dem Abendessen sitzen wir wie immer noch etwas zusammen, unterhalten uns wieder gut und bewundern die Großer-Belt-Brücke (Storebæltsbroenwelche) welche wir morgen überqueren werden.

Mittwoch, den 21.07.2021

Heute gibt es kaum Spektakuläres zu berichten. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, überquerten die beeindruckende Storebæltsbroen und legten die verbleibenden 250 Kilometer bis zur deutschen Grenze zurück. Der Übergang von Dänemark nach Deutschland verlief fast unbemerkt; weder Kontrollstationen noch Grenzbeamte trübten den Fluss der Fahrt.

Kurzer Zwischenstopp und Elbtunnel-Strategie

In Flensburg legten wir einen kurzen Halt am Scandinavian Park ein, um noch einige Einkäufe zu erledigen. Kurz vor dem Elbtunnel entschieden wir uns für eine weitere bewusste Pause. Mein Vorschlag an Flo, noch einmal kurz durchzuatmen, erwies sich als goldrichtig: So starteten wir ausgeruht in den dichten Verkehr und den unvermeidlichen Stau, der uns im Tunnel erwartete.

Ausklang am Lopausee

Trotz der Verzögerungen erreichten wir gegen 18:30 Uhr den Lopausee. Nach dem Abendessen ließen wir den Tag gemütlich vor unseren Wohnmobilen ausklingen. In geselliger Runde ließen wir die Highlights unserer Norwegen-Tour Revue passieren – jeder teilte seine ganz persönlichen Eindrücke und Momente, die diese Reise so besonders gemacht haben.

Abschied auf Raten

Bei dieser Gelegenheit erzählten Annika und Flo, dass sie bereits am Donnerstag die Heimreise antreten werden. Da sie mit einem Mietfahrzeug unterwegs sind, stehen für sie noch das Ausräumen und die gründliche Reinigung an. Zudem lockt natürlich die Vorfreude auf die heimische Dusche und den gewohnten Komfort der eigenen vier Wände.

Wir haben volles Verständnis für diesen Entschluss – es ist eben ein Unterschied, ob man im eigenen oder im gemieteten Mobil reist. So werden wir die beiden am Donnerstag nach dem Frühstück verabschieden, während Tine und ich hier noch ein oder zwei Tage die Seele baumeln lassen.

Donnerstag, den 22.07.2021

Wie bereits erwähnt, hieß es nach dem Frühstück für Annika und Flo: Abfahrt Richtung Heimat. Während die beiden sich sichtlich auf ihre eigenen vier Wände freuten, zog es Tine und mich noch nicht nach Hause. Es sei an dieser Stelle betont, dass wir uns über die gesamte Zeit hinweg prächtig verstanden haben – die Tour verlief absolut harmonisch. Dass die beiden nun den Heimweg antraten, ist völlig verständlich und hat nichts mit unserer gemeinsamen Zeit zu tun. Wer es nicht gewohnt ist, fast drei Wochen am Stück im Wohnmobil zu leben, sehnt sich irgendwann nach dem gewohnten Komfort. Bei uns ist das natürlich etwas anderes, da wir fast jedes Wochenende mit unserem Mobil unterwegs sind.

Nachdem wir die beiden verabschiedet hatten, werkelten wir noch ein wenig am Fahrzeug. Bei einer gemütlichen Tasse Kaffee schlug ich Tine vor, am Freitagmorgen nach Hann. Münden zu fahren. Die historische Altstadt steht schon seit Jahren auf unserer To-do-Liste. Tine gab jedoch zu bedenken, dass es klüger wäre, noch heute aufzubrechen, um den gesamten Freitag vor Ort zur Verfügung zu haben. Wie so oft 😉 hörte ich auf meine Frau, und wir starteten direkt nach der Mittagspause.

Plan B tritt in Kraft

In Hann. Münden angekommen, folgte die Ernüchterung: Mitten in der Urlaubszeit war der Stellplatz restlos belegt, und selbst die umliegenden Parkplätze waren von PKW komplett zugeparkt. Das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man einen idyllischen, fast leeren Stellplatz vorzeitig verlässt.

Doch wir ließen uns nicht entmutigen, schließlich hatten wir einen Plan B in der Hinterhand: Die letzten Urlaubstage wollten wir auf dem Forellenhof bei Hammelburg verbringen. Da der Platz ohnehin auf unserer Heimreiseroute liegt, bot sich das perfekt an. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es weiter, und knapp zwei Stunden später rollten wir bereits bei Kalli auf den Stellplatz.

Bei Kalli am Wohnmobilstellplatz

Freitag, den 23.07.2021

Den letzten Tag unserer Reise haben wir bei Kali auf dem Stellplatz Forellenhof noch einmal in vollen Zügen genossen. Es ist für uns der ideale Ort, um die Seele baumeln zu lassen – da wir regelmäßig hier zu Gast sind und uns jedes Mal ausgesprochen wohlfühlen, war der Platz der perfekte Abschluss für unseren Urlaub. Zudem liegt er ideal auf unserer Heimreiseroute. Am morgigen Samstag treten wir schließlich die letzte Etappe nach Hause an.

Hinter uns liegt eine traumhafte Tour, bei der einfach alles gestimmt hat. Wir nehmen unzählige wunderbare Impressionen aus diesem beeindruckenden Land als bleibende Erinnerungen mit heim.

Ein großes Dankeschön an meine Mitreisenden für diese unvergessliche Zeit. Annika hat nun eine ganz neue Vorstellung von Wassersparmaßnahmen – man glaubt kaum, wie schnell so ein Wohnmobil-Tank zur Neige gehen kann! Flo wiederum hat die „Meisterprüfung“ im Wohnmobilfahren mit Bravour bestanden; an eine bestimmte Strecke erinnert er sich heute vermutlich nur noch mit leichtem Herzklopfen.

Besonders schön war es zu sehen, wie sehr Tine die gemeinsame Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann während ihrer Flitterwochen in Norwegen genossen hat. Für mich war es eine wahre Freude, Menschen, die mir am Herzen liegen, dieses wundervolle Land zeigen zu dürfen.

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